Adresse
Naturhistorisches Museum Basel
Augustinergasse 2
Postfach 1048
CH 4001 Basel

Tel +41 61 266 55 00
Fax +41 61 266 55 45
E-Mail nmb@bs.ch


Öffnungszeiten
Dienstag-Sonntag: 10-17 Uhr
Feiertage siehe pdf


Ammonshörner und Donnerkeil


Sonderausstellung vom 6. April bis 12. August 2001

Ammonshörner und Donnerkeile sind fossile Zeugen von Wandlungen der Erde über Jahrmillionen hinweg. Sie erscheinen in schlichten, aber auch mit Dornen, Rippen und Stacheln reich verzierten Gehäusen und sind heute ausgestorben. Die Ausstellung aus dem Naturmuseum Olten wurde mit kostbaren Leihgaben privater Sammler und mit Schätzen aus unserer Sammlung ergänzt.

Foto eines Ammoniten in der Sammlungsschachtel
Ammonit © Naturhistorisches Museum Basel

Den Begriff "Ammonis cornuae" (Hörner des Ammon) führte der römische Geschichtsschreiber Plinius der ältere (23 v.Chr. bis 79 n. Chr.) für spiralig gewundene, mit Rippen versehene Steine ein. Den Namen leitete er vom altägyptischen Gott AMUN oder AMMON ab, der mit seinen Widderhörnern ähnlich aussah.Ammonshörner und Ihren Namen verdanken verschiedenen Gruppen der Weichtiere ihren speziellen "Füssen". Ammoniten und Belemniten, wie die Ammonshörner und Donnerkeile wissenschaftlich heissen, werden als Kopffüsser oder Cephalopoden bezeichnet, weil sie sich mit einer am Kopf befindlichen Düse fortbewegen.Bereits im frühen Erdaltertum vor mehr als 500 Millionen Jahren schwammen erste kopffüsserartige Tiere in den damaligen Weltmeeren. Typisch war ihr ca. 20 mm langes, gekammertes Gehäuse. Eine feine Kalkröhre - der Sipho - verband die Kammern untereinander.
Die ältesten Kopffüsser sind die Nautiliden, die direkten Vorfahren des heute noch lebenden Perlbootes (Nautilus). Damals aber sahen sie einer Eistüte (Cornet) ähnlicher als dem heute noch lebenden Nautilus. Sie waren länglich und manchmal an der Spitze eingerollt.
Die ersten Ammoniten kennen wir aus der Devonzeit vor 305 Mio Jahren. Während der folgenden 330 Millionen Jahre dauernden Entwicklungsgeschichte bildeten die Ammoniten eine überaus erfolgreiche Tiergruppe. Von annähernd 10.000 bekannten fossilen Arten gekammerter Kopffüsser zählen ca. 7.500 zu den Ammoniten.
Ammoniten waren vortreffliche Baumeister. Einige bauten Gehäuse von bestechender Schlichtheit, andere verzierten ihre Schale mit Dornen und Rippen. Eine weitere Gruppe entrollte sich und bildete ausgefallenste Formen.
Die eher unscheinbaren Belemnitentiere, die "Donnerkeile", treten ungefähr gleichzeitig mit den Ammoniten auf. Nach einem Entwicklungshöhepunkt während des Erdmittelalters starben sie gleichzeitig wie die Ammoniten am Ende der Kreidezeit (vor ca. 65 Millionen Jahren) aus.

Foto von mehreren Ammoniten aus der Sammlung
Ammoniten © Naturhistorisches Museum Basel

Ammonshörner und Donnerkeile im Volksmund
Teufelskrallen - Drachensteine - Mohrenzitzchen - Gespensterkerzen - Schlangensteine - Blitzsteine - Donnerkeile - Luchssteine - Albschosssteine:Dies ist nur eine Auswahl von Namen, wie sie der Volksmund für Ammonshörner und Belemniten geschaffen hat.Die für unsere Vorfahren unerklärbaren Naturkuriositäten wurden schon früh mit übernatürlichem, Zauberei und Wahrsagerei in Verbindung gebracht. Sie spielten auch in der Naturheilkunde eine Rolle.
Gewisse Belemnitenarten dienten zur Römerzeit als Naturheilmittel gegen Augenleiden. Wenn man sie am Aermel reibt, beginnen sie augenblicklich ammoniakartig nach Katzenurin zu stinken. Deshalb und aufgrund ihrer Grösse hielt man diese Belemniten für versteinerten Luchsurin.
Da Ammoniak die Augen zum Tränen bringt, sah man in den kleinen Belemniten ein überaus gutes Mittel gegen alle Arten von Augenleiden. Sie waren damals sehr begehrt, so dass man sie, zusammen mit Bernstein, über hunderte von Kilometern von Nordeuropa bis ans Mittelmeer transportierte.
Ammoniten wurden häufig zur Abwehr verschiedenster Uebel verwendet. In einigen deutschsprachigen Gebieten wurden - und werden noch heute - Ammoniten in Dachgiebeln eingemauert. Sie sollten das Schlimmste von Haus, Hof und Bewohnern fernhalten.
Wenn die Kühe durch Satans Betrug ausgemolken wurden, griff man zum Gegenzauber in Form eines Drachen- oder Trackensteines. Bei diesen handelte es sich meistens um einen verwitterten Ammoniten, den man in den Milcheimer legte, wodurch der Milchdrachen oder der Teufel, der es auf die Milch abgesehen hatte, aus dem heimgesuchten Stall vertrieben wurde.

Schätze aus unserer Sammlung
Die Beschäftigung mit Ammoniten gehört seit den Anfängen des Naturhistorischen Museums zu seinen Schwerpunkten. In der Sammlung, in der Forschung und im Ausstellungswesen spielen daher die Ammoniten und nicht nur solche aus unserer Region - traditionell eine wichtige Rolle. Die Ausstellung streifte mit ausgewählten Fossilien die Arbeitsgebiete von drei am Museum tätigen Ammonitenforschern: Otto Renz (1992) arbeitete mit den tiefschwarzen Ammoniten aus der Unterkreide-Zeit der venezolanischen Anden, Hans Christ und Reinhart Gygi, ehrenamtlicher wissenschaftliche Mitarbeiter, studierten Ammoniten aus dem schweizerischen und angrenzenden Juragebirge.

Ammonitenaquarelle
Die Künstlerin Elisabeth Grässli, auch Sammlungsassistentin am Museum, liess sich von der Schönheit der Gehäuseformen zu aquarellierten Ammonitenportraits inspirieren. Ihre Vorliebe für Erdfarben, das heisst für natürliche, mit Gummi Arabicum gebundene Erdpigmente, kam ihren Motiven in harmonischer Weise entgegen. In einem Kabinett wurden einige ihrer Bilder zusammen mit den Vorlagen ausgestellt.