Apfeltriebsucht | Zur Textversion | Schriftgrösse: Ansicht verkleinern Ansicht vergroessern

Kontakt
Naturhistorisches Museum Basel
PD Dr. Daniel Burckhardt
Konservator Biowissenschaften
Augustinergasse 2
CH 4001 Basel

Tel +41 61 266 55 38
Fax +41 61 266 55 46
E-Mail daniel.burckhardt@bs.ch

Projekt Apfeltriebsucht

Forschungsgruppe
PD Dr. Daniel Burckhardt (Naturhistorisches Museum Basel)
Dr. Barbara Jarausch (Centrum Grüne Gentechnik, Neustadt a.d. Weinstrasse)
Dr. Wolfgang Jarausch (Centrum Grüne Gentechnik, Neustadt a.d. Weinstrasse)
und folgende Personen, resp. Mitarbeitern der Institutionen:
Armin Wernz, Meckenheim (Obstanbauer, Versuchsanlage)
Amt für Landwirtschaft Offenburg
Amt für Landwirtschaft Freiburg
Agroscope FAW Wädenswil
Fachstelle Obst Aargau
Kantonale Zentralstelle für Obstbau Solothurn
Finanziert durch INTERREG, Schweizerische Eidgenossenschaft, Kanton Jura, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz Neustadt a.d. Weinstrasse, Amt für Landwirtschaft Bruchsal, Beratungsstelle für Obstbau Freiburg und VEREXAL, Association du Verger Expérimental d'Alsace, Obernai

Obstbäume sind oft anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge. Dies ist vor allem in der kommerziellen Produktion problematisch. So können diese Krankheiten und Schädlinge grosse finanzielle Einbussen zur Folge haben, was eine Kontrolle unabdingbar macht. Traditionell wurden Spritzmittel eingesetzt, die oft unspezifisch sind und dadurch auch die Nutzfauna eliminieren, oder Resistenzen bei den Schadorganismen hervorrufen. Damit vergrössern sich die Populationen der Schadorganismen, was wiederum vermehrte Spritzungen nötig macht. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen wurden spezifischere Pflanzenschutzmittel entwickelt, Nützlinge in den Obstplantagen gefördert und resistentere Sorten gezüchtet. Bei der Sortenauswahl spielt aber der Konsument die wichtigste Rolle, so dass bei der Produktion viele Faktoren gegeneinander abgewogen werden müssen.
Seit wenigen Jahren ist die Apfeltriebsucht in Mitteleuropa wieder ein ernsthaftes Problem. Es handelt sich dabei um eine Infektion durch so genannte mykoplasmenähnliche Organismen. Infizierte Bäume treiben verfrüht aus und zeigen andererseits eine verfrühte Herbstfärbung. Charakteristisch ist das vorzeitige Austreiben von Knospen im Spätsommer, insbesondere an den Langtrieben, wodurch ein hexenbesenartiger Wuchs entsteht. Weitere Symptome sind Blätter mit stark vergrösserten Nebenblättern sowie kleine, schlecht ausgefärbte und fade schmeckende Früchte mit untypisch langen Fruchtstielen. Die Krankheit wird vor allem vom Kleinen Apfelblattsauger oder -blattfloh, übertragen. Im Frühling kehren die Blattflöhe von ihren Überwinterungspflanzen, hauptsächlich Fichten, auf die Apfelbäume zurück, paaren sich und legen die Eier ab. Dabei ernähren sich die Tiere von den Apfelbäumen und übertragen gleichzeitig die Krankheit. Es ist deshalb sinnvoll die Überträger zu bekämpfen. Für eine effiziente Bekämpfung der Blattflöhe müssen diese bei Ankunft in die Plantagen stichprobenweise gezählt und bei Überschreitung definierter Schwellenwerte gezielt chemisch bekämpft werden. Da zur gleichen Zeit auch andere Blattfloharten gefunden werden können, ist eine korrekte Bestimmung der Art von grösster Bedeutung.
In einem trinationalen Projekt sollen die Überträger der Apfeltriebsucht, also der Kleine Apfelblattsauger, im Hinblick auf Verbreitung, Populationsgrössen und Infektion untersucht werden, damit ein Prognosemodell für Bekämpfungsmassnamen vorgeschlagen werden kann. Der erste Schritt bildet die Bestimmung der Überträger. Dazu wird ein Bestimmungsschlüssel für das Internet entworfen, der Obstbauern und anderen Interessenten eine sichere Bestimmung der Blattflöhe ermöglichen soll.

Blattfloh
Weibchen von Cacopsylla melanoneura, eine häufige Art auf Weissdorn, die sich manchmal auch auf Apfel entwickelt.