Kontakt Naturhistorisches Museum Basel PD Dr. Daniel Burckhardt Konservator Biowissenschaften Augustinergasse 2 CH 4001 Basel Tel +41 61 266 55 38 Fax +41 61 266 55 46 E-Mail daniel.burckhardt@bs.ch
Systematik und Biogeographie von Peloridiidae (Insecta, Hemiptera, Coleorrhyncha)
Aufgrund eigener Aufsammlungen aus Australien, Chile und Neuseeland sowie weiterem Material aus vielen Museen der Welt wird die Taxonomie dieser enigmatischen Hemipterengruppe untersucht. Darauf aufbauend können phylogenetische Hypothesen formuliert werden. Diese werden mit solchen aus molekularen Daten verglichen. Eine gut gestützte Verwandtschaftshypothese erlaubt ihrerseit biogeografische Analysen, was im Falle der Peloridiidae besonders interessant ist, da ihre Diversifizierung in die Zeit des Zerfalls von Gondwana in die heutigen Südkontinente fällt.
Die Peloridiidae ("Mooswanzen") sind die einzige rezente Familie der Hemipterenunterordnung Coleorrhyncha. Sie leben im Moos gemässigter und subantarktischer Regenwälder der Südhemisphäre. Seit jeher hat diese Gruppe das Interesse von Biologen auf sich gezogen, wegen ihren biogeografischen Beziehungen, ihrer phylogenetischen Stellung, ihrer Seltenheit in Sammlungen und ihren vermuteten verwandtschaftlichen Beziehungen zu relativ alten fossilen Taxa. Die Gondwana-Verbreitung der Peloridiidae wurde zur Illustrierung sowohl von Vikarianz- als auch von Dispersionsszenarien herangezogen, in beiden Fällen jedoch ohne die Grundlage einer gut gestützten phylogenetischen Hypothese. Die systematische Stellung der Peloridiidae innerhalb der Hemiptera war lange Zeit sehr umstritten aufgrund von Indizien rezenter als auch fossiler Taxa. Die letzte zusammenfassende Revision der Familie erschien vor über 25 Jahren und baute auf etwa 600 untersuchten Individuen auf. Mehrere der 25 darin erfassten Arten waren nur von einem oder ganz wenigen Tieren bekannt, was keine Abschätzung des Wertes und der Variabilität von morphologischen Merkmalen zuliess.
Bekannte Verbreitung der Peloridiidae
Peloridiidae aus Neukaledonien Aufgrund morphologischer und molekularer Merkmale kann heute die Stellung der Peloridiidae innerhalb der Hemiptera als Schwestergruppe der Heteroptera als gut gestützt angesehen werden. Der Status vieler fossilen Coleorrhyncha konnte geklärt werden. Dank umfangreichen Aufsammlungen von Peloridiidae der letzten 20 Jahre konnten neue und aussagekräftige Merkmale gefunden werden, die die Gattungen und Arten definieren und die Formulierung einer gut begründeten Verwandtschaftshypothese erlauben. In grossen Zügen stützt diese die Hypothese der Diversifizierung der Familie durch das Aufsplittern von Gondwana.