Kontakt Naturhistorisches Museum Basel PD Dr. Daniel Burckhardt Konservator Biowissenschaften Augustinergasse 2 Postfach CH-4001 Basel Tel +41 61 266 55 38 Fax +41 61 266 55 46 E-Mail daniel.burckhardt@bs.ch
Blattflöhe aus Brasilien – grosse, unbekannte Vielfalt
Personen und Institute PD Dr. Daniel Burckhardt (Naturhistorisches Museum Basel) Prof. Dr. Brígida Souza (Universidade Federal de Lavras, MG, Brasilien) Dr. Dalva de Queiroz (Embrapa Florestas, Colombo, PR, Brasilien) Prof. Dr. Rosy Isaias (Universidade Federal de Minas Gerais, Belo Horizonte, MG, Brasilien)
Der Asiatische Zitrusblattfloh ist in Brasilien gegenwärtig der wichtigste Schädling von Zitrusfrüchten. Diese drei Millimeter langen Insekten übertragen den "Greening Disease", eine bakterielle Krankheit, die die Zitruspflanzen in kurzer Zeit abtötet. Grosse Schädlinge in Brasilien sind auch vier aus Australien stammende Arten von Eucalyptus-Blattflöhen. Sie können beträchtlichen Schaden in Eucalyptus-Pflanzungen anrichten.
Barboso: Grosse Gebiete von Mina Gerais sind heute von Weideland oder Eucalyptus-Pflanzungen bedeckt. Ursprünglicher Wald ist auf kleine Flächen reduziert.
Über eingeschleppte Arten weiss man relativ viel, die einheimische Blattfloh-Fauna Brasiliens kennt man hingegen kaum. Dies hat sich auch beim Monitoring in Zitrusplantagen gezeigt, wo verschiedene Blattfloh-Arten aufgetaucht sind, über die man bisher gar nichts gewusst hat.
Daniel Burckhardt, Konservator für Entomologie am Naturhistorischen Museum Basel und weltweit renommierter Experte für Blattflöhe, untersucht deshalb nun die einheimische Blattfloh-Fauna von Brasilien. Er arbeitet dabei mit mehreren brasilianischen Institutionen zusammen.
Lavras: Reste vom artenreichen Atlantischen Regenwald, worin auch eine erstaunlich reiche Blattflohfauna gefunden wurde.
Im Sommer 2010 wurde Daniel Burckhardt von der Universidade Federal de Lavras, Brasilien, eingeladen, um die dortige Blattflohfauna zu erforschen. Erste Resultate zeigen, dass ein aussergewöhnlicher Artenreichtum vorhanden ist. Von den über 60 gefundenen Arten ist nur etwa ein Fünftel bekannt. Die anderen sind für die Wissenschaft neu. Ein Arteninventar und Informationen über Wirtspflanzen sowie die Verbreitung der einzelnen Arten wird die Grundlage zur Entwicklung evolutiver Szenarien bilden.
Bild links: Baccharopelma gall: Die Gallen des Blattflohs Baccharopelma dracunculifoliae auf Baccharis dracunculifolia haben die Grösse und Form von Erdnüssen. In der Galle entwickeln sich die Larven. Bild rechts: indet psyllid gall: Die auffälligen hornförmigen Gallen stammen von einem der Wissenschaft bisher unkennten Blattfloh.