Kontakt Naturhistorisches Museum Basel Dr. Raffael Winkler Konservator Biowissenschaften Augustinergasse 2 CH 4001 Basel Tel +41 61 266 55 39 Fax +41 61 266 55 46 E-Mail raffael.winkler@bs.ch
Mauser der Vögel
Mit Mauser wird der Federwechsel bezeichnet. Das Wort ist abgeleitet vom lateinischen Verb mutare, das wechseln oder austauschen bedeutet, in unserem Fall heisst es austauschen eines alten gegen ein neues Gefieder. Mauser hat also nichts mit einer Maus zu tun. Es gibt zwei Gründe zu mausern, erstens, um ein abgenutztes Gefieder durch ein frisches zu ersetzen, zweitens um das Aussehen zu ändern. Der Ersatz eines abgenutzten Gefieders geschieht in einer Vollmauser, das heisst in einer Mauser, die sämtliche Federn erfasst, also Körperfedern, Schwungfedern und Schwanz. Die Vollmauser erfolgt einmal jährlich, meist nach der Brutzeit im August/September. Das Ändern des Aussehens, nämlich der Wechsel von einem Jugendkleid in ein Alterskleid oder von einem Schlichtkleid in ein Brutkleid erfolgt in einer Teilmauser. Eine Teilmauser erfasst nur die Körperfedern und einen Teil der Flügeldecken, nicht aber die Schwungfedern und den Schwanz.
Forschungsprojekt: Mauser und Altersbestimmung europäischer Singvögel
Das Projekt hat zwei Ziele: Erstens den Mauserumfang von Alt- und Jungvögeln in Abhängigkeit von Brut- und Zugverhalten zu beschreiben, und zweitens diese Erkenntnisse für die Praxis der Altersbestimmung von Singvögeln nutzbar zu machen.
Während der Zugzeiten im Herbst und im Frühling beringen in ganz Europa jedes Jahr 9000 Amateur-Vogelberinger (230 davon in der Schweiz) 4 Millionen Vögel und notieren deren Alter in den Beringungslisten. Die Altersbestimmung beruht auf dem unterschiedlichen Mauserverhalten von Altvögeln und Jungvögeln im ersten Lebensjahr. Die Flügelfotos illustrieren das am Beispiel des Hausrotschwanzes. Der adulte Hausrotschwanz mausert im Sommer sein ganzes Gefieder, nach der Mauser besteht sein Flügel aus einer einzigen Federgeneration, alle Federn sind gleich alt. Der junge Hausrotschwanz mausert im Sommer nur einen Teil des Gefieders, nämlich sämtliche Körperfedern und einen Teil der Flügeldecken. Die Schwungfedern werden nicht erneuert. Nach der Mauser besteht sein Flügel aus zwei Federgenerationen, nämlich aus den nicht erneuerten Jugendfedern und den erneuerten Federn des ersten Alterskleides. Dort wo die beiden Federgenerationen aneinanderstossen, entsteht eine Mausergrenze. Sie ist im Foto mit einem Pfeil markiert und kenntlich an den Farbunterschieden zwischen den beiden Federgenerationen.
In einem Buch über „Moult and Ageing of European Passerines“ haben wir den Mauserumfang von etwa 60 häufig zur Beringung gefangenen Singvogelarten beschrieben und mit Fotos dokumentiert. Das Buch ist mittlerweile vergriffen und wir sind am Ausarbeiten einer zweiten Auflage, die neue Fotos enthält und zusätzliche Arten bespricht. Die Fotos wurden an lebenden Vögeln mit einer eigens dafür entwickelten Einrichtung gemacht. Um möglichst viele Arten in verschiedenen Mauserstadien protokollieren und fotografieren zu können, haben wir mehrere Beringungsstationen in der Schweiz, in Italien, in Israel, in Kenia und in Russland besucht.
Auf Wunsch der deutschsprachigen Beringer sind wir zur Zeit an der Herstellung einer Kurzfassung des Buches ohne Fotos unter dem Titel „Alters- und Geschlechtsbestimmung europäischer Singvögel“. Dieses Büchlein wird bis Ende 2007 als Gemeinschaftsarbeit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und des Naturhistorischen Museums Basel erhältlich sein.