Naturhistorisches Museum Basel
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Projekt Muschelseide

www.muschelseide.ch (Felicitas Maeder)


Die Muschelseide ist ein Produkt des Byssus der Pinna nobilis L. Sie ist endemisch im Mittelmeer und kann bis zu 120 cm gross werden. In der Textilgeschichte bildet dieses kostbare Material nur ein winziges Kapitel. Bis vor kurzem kaum erforscht, droht das Wissen um Gewinnung und Verarbeitung der Muschelseide als Kulturgut auszusterben.

Die Pinna nobilis in ihrem Lebensraum Muschelseide als Schmuck verarbeitet
Abb. links: Pinna nobilis L. in ihrem Lebensraum © de Gaulejac & Vicente 1995
Abb. rechts: Zu Schmuck verarbeiteter Byssus © Naturhistorisches Museum Basel


Die Muschelseide hat alles, was fasziniert und die Phantasie anregt: Sie glänzt im Sonnenlicht wie Gold, kommt aus dem Meer, ist selten und kostbar - und ihre Geschichte reicht bis in die Antike. Ein Thema für Mythen und Legenden. Jede Zeit pflegt ihre eigenen und schafft neue. Was war, was ist die Muschelseide wirklich?

Sardinien und Tarent in Apulien waren noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts Zentren der Muschelseideverarbeitung. Sie sind auch heute wieder von Bedeutung, wo es darum geht, das Wissen um das alte Handwerk an neue Generationen weiterzugeben – auch wenn daraus, da die Muschel unter Schutz steht, wohl kaum mehr ein Erwerbszweig entstehen wird.

In Basel begann meine Beschäftigung mit dem Thema Muschelseide im Herbst 1997 mit einer Vitrine im Naturhistorischen Museum Basel. Sie sollte an einem Familiensonntag zum Thema Muscheln und Schnecken auf das ungewöhnliche Textilmaterial aus einem Meeresprodukt aufmerksam machen. Das unerwartet grosse Interesse führte 1998 zur Initiierung des Projekts Muschelseide und zur Formulierung der drei Projektziele:

1) Erstellen eines Inventars aller noch existierenden Objekte aus Muschelseide,
2) Erforschen der Geschichte der Muschelseide und deren Gewinnung und Verarbeitung,
3) Dokumentation der noch vorhandenen Zeugnisse des praktisch ausgestorbenen Handwerks.

In Zusammenarbeit mit der EMPA St. Gallen wurde ein einfaches Analyseverfahren zur Identifikation der Muschelseidefaser entwickelt. Die weltweit erste thematische Ausstellung fand 2004 am Naturhistorischen Museum Basel statt: «Muschelseide – Goldene Fäden vom Meeresgrund / Bisso marino - fili d'oro dal fondo del mare», in Zusammenarbeit mit der Abteilung Europa des Museums der Kulturen Basel. Hier konnten bereits über 20 Textilobjekte aus Muschelseide aus europäischen und USA-Sammlungen gezeigt werden. Der Ausstellungskatalog ist die erste illustrierte Monographie und ist - wie sämtliche Texte der Ausstellung - vollständig zweisprachig, in Deutsch und Italienisch verfasst.

Der Querschnitt des Byssusfaser ist elliptisch Die Faseroberfläche ist glatt
Abb. links: Elliptischer Querschnitt der Byssusfasern © EMPA St. Gallen
Abb. rechts: REM-Aufnahme gereinigter und gekämmter Byssusfasern © REM-Labor, Universität Zürich

Als Wanderausstellung ging sie 2006 nach Taranto (in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Generalkonsulat von Neapel) und nach Lecce (in Zusammenarbeit mit der Stazione di biologia di Porto Cesareo und der Universität Lecce). 2008/2009 schliesslich wurde sie in Zusammenarbeit mit dem «Museo cantonale di storia naturale» in der Villa Ciani in Lugano gezeigt.

Das Inventar umfasst heute über 60 Objekte. An mehreren Textilkongressen und öffentlichen Veranstaltungen im In- und Ausland konnte das Projekt Muschelseide vorgestellt und damit die Aufmerksamkeit von Fachleuten und textilen Institutionen geweckt werden; daraus entstanden Publikationen in Deutsch, Französisch, Englisch und Italienisch.

Mütze aus dem 14. Jahrhundert Damentäschchen 20. Jahrhundert aus Sardinien
Abb.Mütze, 14. Jahrhundert © Musée d'Art et d'Histoire, F-Saint Denis (E. Jacquot, Unité d'Archéologie)
Abb. rechts: Damentäschchen 20. Jahrhundert © Musée Océanographique, Monaco


Mit dem Internet ergeben sich nun völlig neue Möglichkeiten der Recherche, da viele Bücher aus der für das Thema wichtigen Periode des 16. bis 19. Jahrhunderts erstmals zugänglich sind. In einem täglich wachsenden Bücherbestand kann nun erstmals nach Stichworten und Wortverbindungen gesucht werden. Daraus ergibt sich ein eigentliches «work in progress». Eine Projekt-Homepage mit all ihren Vernetzungsmöglichkeiten ist dafür das sinnvollste Medium: www.muschelseide.ch (Felicitas Maeder)