Kontakt
Naturhistorisches Museum Basel
Dr. Ambros Hänggi
Konservator Biowissenschaften
Augustinergasse 2
Postfach
CH-4001 Basel

Tel +41 61 266 55 11
Fax +41 61 266 55 46
E-Mail ambros.haenggi@bs.ch

Ökologie, Faunistik und Systematik Mitteleuropäischer Spinnen (Arachnida, Araneae)


Bereits 1894 wurde von F. Müller und E. Schenkel das „Verzeichnis der Spinnen von Basel und Umgebung“ publiziert. Diese Belegtiere (bei Spinnen eingelegt in 75%igem Alkohol) sind noch heute wichtiges Vergleichsmaterial in unseren „Archive des Lebens“. Damit lassen sich Arten überprüfen, welche heute schon lange nicht mehr in Basel vorkommen.

An Stelle von Mikroskopen mit Glaskugeln zur Fokussierung des Lichtes sind Stereolupen mit LED-Beleuchtung und elektronischer Kamera getreten, an Stelle von wenigen Separatdrucken und Büchern haben wir heute über das Internet weltweiten Zugang zu Spezialliteratur oder umfassenden Internet-basierten Bestimmungsschlüsseln. Geblieben ist der geduldige Vergleich von Originalobjekt unter dem Stereomikroskop mit den Abbildungen in der Literatur.




Katalog der schweizerischen Spinnen

Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel)

Im Jahre 1990 wurde der „Katalog der schweizerischen Spinnen“ von Richard Maurer und Ambros Hänggi veröffentlicht. Seitdem wurden viele Spinnenarten in der Schweiz neu entdeckt. Durch periodisch publizierte „Nachträge“ wächst die Liste der in der Schweiz nachgewiesenen Spinnenarten stetig an - Ende 2012 sind es 970 Arten.

Seit 2004 wird die Nachführung des Kataloges auch als Basis für die Checkliste der Mitteleuropäischen Spinnen von Theo Blick & Kollegen mit verwendet (http://www.arages.de/checklist.html).

Zoropis spinimania
Zoropsis spinimana, eine südliche Art, die 1994 erstmals in der Schweiz gefunden wurde und heute im Raum Basel regelmässig festgestellt wird. Aber auch aus anderern Städten der Schweiz wurde sie inzwischen gemeldet.





Rote Liste der bodenlebenden Makroarthropoden (Spinnen, Laufkäfer und Kurzflügelkäfer) - Evaluationsphase
Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel)
Dr. Yves Gonseth (CSCF, Neuchâtel)
Angelo Bolzern (Doktoratsarbeit, Naturhistorisches Museum Basel)

Seit 2006 laufen die Vorbereitungen für die Erstellung einer Roten Liste von Spinnen, Laufkäfern und Kurzflügelkäfern, welche durch Bodenfallen gefangen werden können. Das Konzept dieser neuen Roten Liste der gefährdeten Arten ist nicht auf ein spezielles Taxon (eine Tiergruppe) sondern auf eine in Gutachten oft angewandten Fangmethodik beschränkt. Als Basis für die Bestimmung der Gefährdung der untersuchten Tiergruppe sollen neu neben reinem Expertenwissen auch Felderhebungen verteilt über die ganze Schweiz genutzt werden, - ein Mehrjahresprojekt das umfangreich vorbereitet sein muss.

Ziel der ersten Evaluationsphase (2006–2007) war es, eine möglichst gute Datengrundlage (Datenbank von vorhandenen faunistischen Daten der Tiergruppen) zu schaffen. Dieses Projekt ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Später sollen die Ergebnisse in Form von Nachweiskarten im CSCF (Centre Suisse de Cartographie de la Faune) öffentlich verfügbar gemacht werden.
In einer zweiten Evaluationsphase (2008–2010) wurde die Datenerhebung abgeschlossen, Methodentests wurden durchgeführt, die Vorgaben für die potentiellen Fangstandorte für desHauptprojektes mussten bestimmt werden. Genügend Spezialisten, die die Tiere dann auch bestimmen können, müssen auch noch rekrutiert werden.

Das Hauptprojekt mit umfangreichen Feldarbeiten sollte dann in den Jahren 2011–2016 umgesetzt werden und mit der Publikation einer ersten Version der „Roten Liste der bodenlebenen Makroarthropoden“ abgeschlossen werden.
Das grosse Projekt wird vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) finanziert und vom CSCF geleitet. Zur Zeit liegt es beim BAFU, wo es geprüft und grundsätzlich akzeptiert wurde. Jedoch fehlen momentan die finanziellen Mittel, sodass das Projekt zurückgestellt werden musste.


Zwergspinne Maro Lehtineni
Die Zwergspinne Maro lehtineni ist für die Schweiz nur aus einem Lebensraum, der Alp Flix bekannt.







Internet-Bestimmungsschlüssel für Spinnen
Prof. Dr. Wolfgang Nentwig (Zoologisches Institut, Universität Bern)
Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel)
Dr. Christian Kropf (Naturhistorisches Museum Bern)
Theo Blick (D-Hummeltal)

Der im Internet veröffentlichte Bestimmungsschlüssel Spinnen Europas ist einerseits der umfangreichste Bestimmungsschlüssel für mitteleuropäische Spinnen (630 Gattungen mit 4'500 Arten insgesamt 22'000 Abbildugnen und 2'300 Fotos sind erfasst), andererseits beruht sein Konzept darauf, dass Abbildungen von verschiedensten Autoren zu den einzelnen Arten nebeneinander gezeigt werden. Damit ist ein direkter Vergleich möglich.

Ausschnitt Internet Bestimmungschlüssen
Ausschnitt aus dem Internet-Bestimmungsschlüssel. Verschiedene Zeichnungen des männlichen Tasters von Steatoda phalerata.



Masterarbeiten und Dissertationen über Spinnen – ökologische Themen

Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel)
Prof. Dr. Bruno Baur (NLU, Abteilung Biologie, Universität Basel)

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU) der Universität Basel werden regelmässig Masterarbeiten durchgeführt, welche ökologische und systematische Fragestellungen mit Spinnen beinhalten.

Zwei Beispiele vergangener Arbeiten:

Julia Käser Masterarbeit 2008:

Masterarbeit 2008: Kleinräumige Unterschiede in der Zusammensetzung der Spinnenfauna an Süd- und Nordhängen des Nunninger-Juras – mit spezieller Beachtung der Winterfauna,
Betreuung: Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel), Prof. Dr. Bruno Baur (NLU, Abteilung Biologie, Universität Basel)

Auf den von West nach Ost ausgerichteten Kreten der Jurahänge sind auf kleinstem Raum erhebliche klimatische Unterschiede festzustellen: Auf dem südwärts gerichteten Hang herrschen trockenwarme Verhältnisse während wenige Meter entfernt auf den nordwärts gerichteten Hängen kühlfeuchte Bodenverhältnisse vorherrschen. Dieser Unterschied ist im Winter speziell markant und wirkt sich vermutlich auch auf die Zusammensetzung der Spinnenfauna aus.
Im Rahmen der Masterarbeit wurden im Winterhalbjahr 2007/2008 mit Hilfe von Bodenfallen, (im Boden eingegrabene Becher, in welche die Spinnen hineinfallen), die Spinnen auf drei Jurazügen um Nunningen erfasst. Die Unterschiede in der Artenzusammensetzung aber auch in den Häufigkeiten der einzelnen Arten zwischen den drei Standorten sowie innerhalb der einzelnen Standorte (Nordausrichtung – Südausrichtung) wurden aufgezeigt.

Details siehe
Icon: Format pdf-Dokument Käser et al 2010
Icon: Format pdf-Dokument Hänggi & Käser 2011


Systematik der Europäischen Winkelspinnen (Agelenidae: Tegenaria)
Angelo Bolzern, Dissertation 2010: Taxonomy an phylogeny of the Tegenaria-Malthonica-complex (Araneae, Agelenidae) using morphological and molecular data.
Betreuung:

Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel)
PD Dr. Daniel Burckhardt (Naturhistorisches Museum Basel)
Prof. Dr. Bruno Baur (NLU, Abteilung Biologie, Universität Basel)

Die Winkelspinnen kennen wir alle: jene dunklen, langbeinigen Spinnen, welche ihre trichterförmigen Netzteppiche in den Ecken von Kellern und Garagen bauen und oft auch in Badewannen und Lavabos anzutreffen sind, aus denen sie nicht mehr flüchten können. Winkelspinnen haben in Amerika besondere Aufmerksamkeit erlangt, da anscheinend eine Art – aus Europa eingeschleppt – gefährliche Bissverletzungen verursachen soll (Hobo-Spider): allerdings gibt es keinen einzigen gesicherten Fall.

Die Doktorarbeit von Angelo Bolzern hatte zum Ziel, mehr Klarheit in die Systematik der Spinnengattung Tegenaria zu bringen. Diese Gattung beinhaltete in Europa mehr als 60 Arten und einige bis heute noch nicht beschriebene Arten. Die Verwandtschaft innerhalb der Gattung und zwischen den nahe verwandten Gattungen war unklar. Um diese Probleme zu lösen soll die Gattung (zumindest die europäischen Vertreter) revidiert werden. Museumsmaterial aus verschiedenen Museen in Europa und Übersee bildete die Basis. Dazu werden einige Exkursionen in verschiedene Gebiete Südeuropas durchgeführt, um sehr seltene Arten zu finden, welche nur lokal verbreitet sind (Endemiten). Diese Aufsammlungen dienen als Grundlage für die molekularen Analysen, welche die morphologischen Untersuchungen ergänzen. Als Resultate sollen genaue Artbeschreibungen und eine phylogenetische Hypothese (Verwandtschaftsanalyse) publiziert werden.

Als Ergebnis der Arbeiten wurden unter anderm 2 neue Spinnengattungen beschrieben und 8 neue Arten beschrieben.
Details siehe z.B. pdf’s von Angelo. Die Hauptpublikation folgt noch im 2013.

Icon: Format pdf-Dokument Bolzern Hänggi & Burckhardt 2010
Icon: Format pdf-Dokument Bolzern Hänggi Burckhardt 2008


Winkelspinne Tegenaria agrestis                        Taster Tegenaruia henroti
Links die Winkelspinne Tegenaria agrestis. Die Artbestimmung ist am lebenden Tier meistens nicht möglich. Für die Bestimmung sind Details an den Strukturen des Tasters ausschlaggebend (rechts, Tegenaria henroti)


Ein aktuelles Projekt in Serbien:
Gordana Grbic, Novi Sad, Serbien, Masterarbeit: Spiders of different habitat types in the Fruska Gora National nature reserve.
Betreung: Dr. Ambros Hänggi (Naturhistorisches Museum Basel), Prof. Dr. Nataša Žugic-Drakulic, Faculty of Environmental Protection, Educons University, Sremska Kamenica, Serbien

Der Einfluss unterschiedlicher Bewirtschaftungsformen auf die Spinnenfauna soll untersucht werden und aus den Ergebnissen sollen Hinweise für optimerte Pflegemassnahmen abgeleitet werden.
Das Projekt versteht sich auch als Beitrag zur Kenntnis der Spinnenfauna Serbien, so konnten im Rahmen der Vorarbeiten zum Projekt und im laufenden Projekt bereits über 30 Arten erstmals für Serbien gemeldet werden.