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Projekt Trepanationen der Schweiz
Trepanationen – Urgeschichtliche Schädeloperationen der Schweiz.
Forschungsgruppen Dr. Gerhard Hotz (Naturhistorisches Museum Basel) Liselotte Meyer (Naturhistorisches Musem Basel Dr. Fritz Ramseier (Basel)
Die Trepanationen (Bohröffnungen am Schädel) stellen neben den Amputationen die ältesten nachgewiesenen chirurgischen Eingriffe der Menschheit dar. Solche Schädelöffnungen wurden in Nordafrika und in der Ukraine bereits vor mehr als 12'000 Jahren durchgeführt. Einige Jahrtausende später finden sich die Trepanationen in ganz Europa. Der älteste trepanierte Schädel der Schweiz wurde in Corseaux-sur-Vevey (VD) entdeckt und datiert ins 4. Jahrtausend, d.h. ins mittlere Neolithikum. In der Regel wurden solche Schädeloperationen am Patienten bei vollem Bewusstsein oder in sediertem Zustand durchgeführt. Die Heilungschancen waren sehr gut.
Im Rahmen einer Überarbeitung und Aktualisierung einer unpublizierten Dissertation zu den Trepanationen der Schweiz (Ramseier 1976) konnten zu den bereits bekannten Trepanationen 12 neue Fälle hinzugefügt werden. Von insgesamt 34 beobachteten Trepanationen konnten 22 als intra-vitam durchgeführte Eingriffe identifiziert werden. 15 der 22 "Patienten" überlebten die Operation. Dies entspricht einer Überlebenschance von knapp 68%. Herbert Ullrich konnte für Deutschland aufgrund einer grösseren Trepanationsserie sogar eine Überlebensrate von 81% nachweisen (Ullrich 2005).
Parallel zu diesen Operationen wurden aber auch bei verstorbenen Menschen Knochenfragmente aus dem Schädel herausgearbeitet und als Amulette mit "magischer" Wirkung verwendet. Bei neun der 34 untersuchten Schädeloperationen konnte eine intra-vitam Trepanation nicht mit letzter Sicherheit diagnostiziert werden, sondern diese mussten z.T. in Zusammenhang mit einer möglichen Amulettgewinnung gesetzt werden.
Die zeitliche Verteilung zeigt, dass im Neolithikum und in der jüngeren Eisenzeit Trepanationen häufiger vorkamen. Für die Bronzezeit hingegen lässt sich nur eine Trepanation anführen, und für die Spätantike und das Frühmittelalter sind ebenfalls nur wenige Fälle bekannt. Aus Basel liegen Trepanationen aus keltischer und frühmittelalterlicher Zeit vor (siehe Abbildungen unten).
Da es wünschenswert schien, einen aktuellen gesamtschweizerischen Trepanations-Katalog vorzulegen, wurde die unpublizierte Dissertation überarbeitet. Sämtliche ur- und frühgeschichtlichen Schädeleingriffe wurden im einzelnen beschrieben und dokumentiert.Die vorläufigen Resultate werden demnächst im Bulletin der Schweizerischen Gesellschaft für Anthropologie publiziert (Ramseier et al 2005). Dabei soll die Studie die Grundlage für eine weiterführende interdisziplinäre Untersuchung bilden, die mit modernen bildgebenden Diagnoseverfahren (z.B. Computertomographie) durchgeführt werden soll.
Ramseier, F., Hotz, G., Meyer, L., Eades, S., Kramar, C., Mariéthoz, F. (2005): Ur- und frühgeschichtliche Schädeltrepanationen der Schweiz. Vom Neolithikum bis ins Mittelalter. Bulletin der Schweizerischen Gesellschaft für Anthropologie 2005/1 u. 2. In Press.
Ramseier, F. (1976): Die neolithische, bronzezeitliche und eisenzeitliche Schädeltrepanation in der Schweiz. Diss. Med. Universität Basel (unpubl.).
Ullrich, H. (2005): Prähistorische Trepanationen mit therapeutischer Indikation. Jahrbuch zur Ur- und Frühgeschichte für Ostmecklenburg und Vorpommern.