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Naturhistorisches Museum Basel
Dr. Loïc Costeur
Konservator Geowissenschaften
Augustinergasse 2
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CH-4001 Basel

Tel +41 61 266 55 87
Fax +41 61 266 55 46
E-Mail loic.costeur@bs.ch

Projekt Subaquatische Wirbeltierspuren in Spanien



Forschungsgruppe
Dr. Loïc Costeur (Naturhistorisches Museum Basel)
MSc. Rubén Ezquerra (Instituto de Estudios Riojanos)
Prof. Félix-Pérez-Lorente (Universidad de La Rioja)
Dr. Mathieu Rousseau (CSTJF, Total S.A., Pau, France)


Das Cameros-Becken in La Rioja, Spanien ist für Dinosaurier-Spuren weltweit bekannt. Mehr als 10'000 Spuren wurden in den letzten 40 Jahren entdeckt. Während der unteren Kreidezeit war diese Region ein See, und Reptilien (Dinosaurier, Flugsaurier, Krokodile und Schildkröten) waren dort häufig. See-Sedimente lieferten aber auch merkwürdige Spuren, die das subaquatische Verhalten von verschiedenen Tiergruppen zeigen.


120 Millionen Jahre alte Spuren aus Spanien zeigen: Dinosaurier konnten schwimmen
Seit langem haben die Wissenschaftler darüber diskutiert, ob Dinosaurier schwimmen können. 1980 publizierte Coombs einen Artikel in der Zeitschrift "Science", in dem er eine spezielle Fährte beschrieb. Diese Fährte aus Nordamerika zeigt Theropodenspuren (Raubdinosaurier) als kleine Kratzer. Coombs interpretierte diese Spuren als Schwimmenspuren, weil der Fussabdruck nicht sichtbar war. Er kam zum Schluss, dass die Kratzspuren unter Wasser von einem schwimmenden Dinosaurier stammten. Später wurden diese Spuren neu interpretiert als Spuren, die auf einem harten Boden hinterlassen wurden. Man nahm an, dass der Fuss den Boden nicht prägen konnte, weil der Boden zu trocken und hart war; weshalb nur die Krallen Abdrücke hinterliessen. Seit dem gab es keine Berichte über echte Schwimmenspuren, oder zu wenige Informationen, um diese Debatte zu erweitern.
2003 hat unser Team in La Rioja eine neue aussergewöhnliche Dinosaurier Fährte endeckt. Diese Fährte, die 125 Millionen Jahre alt ist (Untere Kreide), zeigt 18 sukzessive, sehr spezielle Spuren. Jede Spur besteht aus zwei oder drei langen Kratzern (bis zu 95 cm lang), die zeigen, dass das Tier im Wasser geschwommen ist. Spezielle Merkmale der Spuren zeigen, dass das Tier ein Dinosaurier war, genauer gesagt ein Theropod (Raubdinosaurier). Der Theropod schwamm im einem See in drei Metern Wassertiefe. Wir wissen, dass gewisse Theropoden (die Spinosauriden) im Wasser lebten und sich von Fischen ernährten.
Die grosse Gesamtlänge der Fährte (22 Meter) hilft uns auch, die Unterwasser-Bewegungsfähigkeiten und die Biomechanik der Dinosaurier zu studieren.



die 22 Meter lange Fährte von La Virgen des Campo, La Rioja, Spanien. Drei Spuren, die Kratzer von Theropodenkrallen zeigen
1- Die 22 Meter-Lang Fährte von La Virgen del Campo. Drei Spuren, die Kratzer von Theropodenkrallen zeigen
©Loïc Costeur


Fisch-Spuren als Beweise von Räuber-Beute Interaktion
Fossile Fischspuren sind weltweit sehr selten mit rund 60 bekannten Lokalitäten. Unser Team erforscht in La Rioja, Spanien eine Lokalität mit sehr gut erhaltenen Fisch-Spuren, die ca. 110 Millionen Jahre alt sind. Die Lokalität Valtrujal (Untere Kreide) zeigt mehrere Dutzend Spuren, die von den Flossen der Fische herrühren. Typischerweise sehen Fischspuren wie kurvige Linien aus. Sie zeigen, wie der Fisch sich im Wasser bewegt oder genauer gesagt schwimmt. Valtrujal ist aussergewöhnlich, weil dort ein spezielles Verhalten eines fossilen Fischs sichtbar ist. Eine lange Spur (2 Meter) zeigt eine C-förmige Struktur am Anfang der Schwimmensequenz. Diese Stuktur ist ein Beweis für eine Interaktion zwischen einen Räuber und einer Beute. Fische sind in der Lage, sehr schnell zu fliehen, wenn sie von einem Räuber attackiert werden; andererseits können sie sehr schnell eine Beute attackieren. Dieses Verhalten ist als "fast-start" Verhalten bekannt und typisch für Fische. Es braucht gewisse Gehirnmerkmale (Riesenneurone, die Mauthner-Zellen). Für diesen "fast-start", beugt sich ein Fisch sehr stark in eine C-form, innerhalb weinge Millisekunden (< 50 ms), und startet dann sehr schnell, mit der Energie, die er durch das Beugen gesammelt hat. Deshalb geschehen Attacken oder Fluchten ausserordentlich rasch und ermöglichen es dem Fisch, einerseits eine Beute zu fangen, anderseits, ein Räuber einem Räuber zu entkommen

Diese Fisch-Spur bildet weltweit den einzigen Beleg einer solchen Interaktion und ist ein wichtiger Beweis in der Evolution des Verhaltens und der Biomechanik der Fische.



Fischspur. Zeigt eine 2 Meter lange Schwimmsequenz, die mit einer C-förmigen Struktur startet.

2- Fischspur (A) zeigt eine 2 Meter lange Schwimmsequenz, die mit einer C-förmigen Struktur startet (Zoom-B) ©Loïc Costeur


Dank

Gobierno de La Rioja

Instituto de Estudios Riojanos

Fundación patrimonio paleontológico de La Rioja