Kontakt Naturhistorisches Museum Basel Dr. Gerhard Hotz Wissenschaftlicher Mitarbeiter Geowissenschaften Augustinergasse 2 Postfach CH-4001 Basel Tel +41 61 266 55 45 Fax +41 61 266 55 46 E-Mail gerhard.hotz@bs.ch
Ein Pfeifenraucher namens Theo wird berühmt
1984 hob die Archäologische Bodenforschung Basel 24 Gräber des längst verwaisten Friedhofs bei der Basler Theodorskirche aus. Dies geschah im Rahmen einer Leitungsgrabung. Die Skelette wurden in die Archive des Naturhistorischen Museums gebracht. Zwanzig Jahre später bearbeiteten Studierende der Universität Basel in einem Anthropologiepraktikum die Skelette. Ein Skelett hatte ein ausgesprochen auffälliges Gebiss. Es wies kreisförmig eingeschliffene Löcher auf, der Mann musste ein leidenschaftlichen Pfeifenraucher gewesen sein.
In einer Sonderausstellung 2007 rief das Naturhistorische Museum Basel die Bevölkerung auf, sich an der Suche nach der Identität eines Toten zu beteiligen. Grundlagen für diesen ungewöhnlichen Aufruf bildeten das rund 200-jährige Skelett mit dem auffälligen Gebiss und mehrere Beerdigungsregister der Kleinbasler St. Theodorskirche. Über den Toten war nichts bekannt. Man kannte weder seinen Namen noch wusste man, welchen Beruf der Mann ausgeübt hatte. Einzig seine Zähne verrieten, dass er ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher gewesen sein musste. Bestattet wurde der Mann zwischen 1779 und 1833 auf dem Merianschen Gottesacker bei der Basler Theodorskirche. Von dieser Örtlichkeit leitet sich auch sein fiktiver Name "Theo" ab.
Auf dem Stadtplan ist der Meriansche Gottesacker dunkel eingefärbt. Er liegt vis-à-vis der Basler Theodorskirche.
Die Medien wurden gezielt als Informationsträger genutzt, um die Bevölkerung möglichst umfassend zu erreichen. Man wollte die Bevölkerung aktiv an der Forschungsarbeit beteiligen. Dank zahlreichen Beiträgen in hauptsächlich regionalen und nationalen Medien stieg die Zahl der ehrenamtlichen Projektmitarbeitenden kontinuierlich an. Inzwischen arbeiten rund 50 Personen regelmässig im Projekt mit.
Fahndung im Staatsarchiv Basel-Stadt
Bereits im Juli 2007 begannen die Recherchen über den unbekannten Basler. Ursprünglich konzentrierte man sich darauf, im Staatsarchiv Basel-Stadt Gräberpläne und Gräberverzeichnisse zu finden und Beerdigungsregister digital zu erfassen. Die aufwändigen Aktenrecherchen ergaben einen detailreichen Einblick in das Bestattungswesen in Basel. Der Meriansche Gottesacker, wo sich Theos Grab befand, wurde von 1779 bis 1833 genutzt. In diesem Zeitraum starben im Kleinbasel 4’334 Personen. Alle sind mit Namen, Sterbealter, Beruf oder Herkunft im Beerdigungsregister der Kirche aufgeführt. Theo muss einer von ihnen gewesen sein.
Das Beerdigungsregister der St. Theodorskirche (StABS: Kirchenarchiv CC 16.1).
Mit der Geschlechtsbestimmung von Theo konnten alle Frauen und Mädchen ausgeschlossen werden, es verblieben noch 2'200 Männer und Knaben. Das anthropologisch geschätzte Sterbealter zeigte, das Theo bei seinem Tod ungefähr 30 Jahre alt gewesen war. Damit konnte der Personenkreis auf 127 Kandidaten reduziert werden.
Einen Gräberplan des Merianschen Gottesackers wurde nicht gefunden. Es bleibt im Dunkeln, ob es diesen jemals gegeben hat. Gefunden wurde allerdings ein Steinbuch. Dieses Buch verzeichnet Personen, die in der Kirche oder im Kirchhof beerdigt wurden und dort einen Grabstein hatten. Diese Personen hatten demnach nicht auch noch ein Grab auf dem Gottesacker. Somit konnten weitere 16 Namen von der Identifizierungsliste gestrichen werden.
Skelette als Bioarchive
Menschliche Skelette sind Informationsträger individueller Lebensdaten wie Geschlecht oder Sterbealter. Theo starb zwischen dem 28. und 32. Lebensjahr. Er wies einen grazilen Körperbau auf und eine geschätzte Körpergrösse von 1.60 Metern. Warum oder woran Theo so früh gestorben ist, bleibt vorerst ungeklärt. Selten lassen sich die Todesursachen am Skelett feststellen.