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Kontakt
Naturhistorisches Museum Basel
Dr. Michel Brancucci
Konservator Biowissenschaften
Augustinergasse 2
Postfach
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Tel +41 61 266 55 78
Fax +41 61 266 55 46
E-Mail michel.brancucci@bs.ch

Max Heuberger


Max Heuberger ist Kunstmaler und wissenschaftlicher Zeichner. Seine Bilder wurden unter anderem in der Kunsthalle Basel und  im Zoologischen Museum Zürich gezeigt. Seit der Gründung des Vereins Käfer für Basel ist er Mitglied. Mit dem Naturhistorischen Museum Basel ist er jedoch schon länger verbunden: Seine Arbeiten wurden 1986 und 1992 unter dem Titel "Begegnung mit Insekten" präsentiert. Alle Aquarelle von Max Heuberger sind in Privatbesitz.

Maltechnik
Arbeitsschritt 1: FühlerDer Künstler beginnt mit den Fühlern, dem feinsten Teil des Käfers. Wenn dieser gelingt, ist der heikelste Abschnitt des Bildes gelungen.
Arbeitsschritt 2: KörperAnschliessend wird der Körper gemalt, mit unterschiedlichen Techniken, je nach Oberflächenstruktur (matt oder schillernd).
Arbeitsschritt 3: FertigstellungFür ein einziges Käferbild ist ein Zeitaufwand von ungefähr 300 Stunden erforderlich.

Arbeitsschrit 1Bei den Aquarellfarben trägt man zuerst helle Farben auf, dann werden Schicht für Schicht immer dunklere oder anders getönte Farben aufgebracht.
Arbeitsschritt 3Alle Glanzlichter, auch die aller kleinsten (z.B. Tarsen), müssen auf dem Papier ausgespart werden, da bei dieser Aquarelltechnik kein Weiss verwendet wird.

Anlass für das Malen von Insekten waren ihre Farbenpracht und die Vielfalt der Formen. Für ein einziges Käferbild, d.h. von den vielen Vorzeichnungen bis zum vollendeten Bild, ist ein Zeitaufwand um die 300 Stunden erforderlich.

Nach der Auswahl des gewünschten Käfers wird das Objekt als Erinnerungsstütze in verschiedenen Positionen fotografiert. Meist werden drei bis vier verschiedene Positionen festgehalten und davon die beste und interessanteste Perspektive ausgewählt. Ausschlaggebend ist dabei die richtige Ausleuchtung des Käfers, um die Einzelheiten fotografisch deutlich einzufangen. Auch eine gute Fotographie kann jedoch die Käfer nie so plastisch und lebendig in allen Einzelheiten widergeben – auch in den dunklen Schattenpartien – wie eine präzise Zeichnung.

Das zuvor aufgenomme Foto wird nun vergrössert, wobei die störenden dunklen Schatten vorher abgedeckt werden müssen. Ein Transparentpapier wird auf die Vergrösserung gelegt und die Aussenkonturen von Käferkopf und –körper werden mit Bleistift nachgezeichnet; in dieser Phase noch ohne Details. Diese Umrisszeichnung wird nun auf die endgültige Grösse kopiert. Auf diese Fotokopie (als sehr ungefähres Orientierungsmittel) wird nun ein neues Transparentpapier gelegt, zwecks Ausführung der Originalzeichnung. Fixpunkt für die Zeichnung ist das "Schildchen". Als Messgerät dient ein äusserst feines – selbst hergestelltes – Stechzirkelchen. Damit werden sämtliche Proportionen der Käferdetails ausgemessen und gegeneinander verglichen. Durch den Grössenvergleich werden alle anderen Körperteile des Käfers gezeichnet. Nach diesem System wird die ganze Zeichnung angelegt. Mehrere Hunderte von Korrekturen müssen angebracht werden. Käferteile wie z.B. Beine und Fühler, die in Verkürzung erscheinen, müssen manchmal mehrere Male gezeichnet werden, bis sie wirklich stimmen. Diese Einzelzeichnungen werden separat auf Transparentpapier gezeichnet und dann in die Originalzeichnung übertragen. Erst wenn die Originalzeichnung genauestens stimmt, wird sie mittels Graphitpapier auf das aufgezogene Aquarellpapier übertragen. Diese Bleistiftzeichnung wird wieder mit dem Objekt unter dem Mikroskop verglichen und wenn nötig nochmals korrigiert. Auf dem Aquarellpapier dürfen die Striche nur noch sehr schwach sichtbar sein, da diese sonst unter den Aquarellfarben durchschimmern würden.

Für diese Käferdarstellungen wird nur feinstes englisches Aquarellpapier verwendet, das die richtige Leimung besitzt. Bei Käfern und besonders bei Schmetterlingen werden die Fühler immer als erstes mit Aquarellfarbe ausgemalt, da diese sehr fein sind und manchmal nur aus einem lang gezogenen Strich mit feinen Häärchen bestehen. Die Überlegung ist folgende: Die Fühler sind die feinsten Körperteile; wenn diese präzis und korrekt wiedergegeben werden konnten, sollte es auch mit dem ganzen Aquarell keine Schwierigkeiten mehr geben.

Dieses Malen mit Aquarellfarben birgt zwei Schwierigkeiten: Erstens lässt sich Gemaltes kaum wieder entfernen und korrigieren. Radieren beschädigt das Papier!. Zweitens müssen alle Glanzlichter im Papier  ausgespart werden, da bei dieser Aquarelltechnik kein Weiss verwendet wird. Aufgesetztes Weiss ergibt keine Brillianz.  Bei den Aquarellfarben trägt man zuerst helle Farben auf, dann werden Schicht für Schicht – manchmal 10 bis 15 - immer dunklere oder anders getönte Farben aufgebracht. Da lasierend angebrachte Aquarellschichten durchschimmern, muss die Untergrundfarbe präzise gewählt werden, um zum Schluss die richtige Farbnuance zu erhalten.

Bei glänzenden Käferpanzern mit feinsten Höckerchen (z.B. Cicindela campestris) müssen die Glanzlichter dieser Höckerchen einzeln wieder aus der Farbe heraus gewaschen werden. Dazu werden mit einem feinsten nassen Pinsel die Pigmente aus der Farbe herausgelöst. Da jedes einzelne Höckerchen nicht nur ein Glanzlicht, sondern auch einen eigenen Schatten besitzt, muss dieser mit einem feinen Pinsel angebracht werden, um eine realitätstreue Abbildung zu erhalten.

Auf einigen Bildern werden noch die Nahrungspflanzen der abgebildeten Insekten angebracht oder Objekte, welche ein bestimmtes Merkmal des Insekts unterstreichen (z.B. weiche Vogelfedern im Gegensatz zum harten Panzer des Dynastes hercules-Käfers). Wegen dem grossen Artenreichtum an Käfern hat Max Heuberger kaum eine Art mehr als einmal gemalt. Eine Ausnahme bildet der Hirschkäfer.

Für das Malen dieser Käferdarstellungen sind Durchhaltevermögen und Disziplin von grosser Bedeutung. Das Gesehene muss man zuerst richtig begreifen, um es dann zeichnerisch umsetzen zu können. Die komplizierten kleinen Formen unter dem Mikroskop eingehend zu studieren und in der genauen Perspektive auf das Papier zu bringen, so dass sie dreidimensional erscheinen, ist kein leichtes Unterfangen. Man muss sich die Striche dreidimensional denken können und die genaue Handbewegung dazu machen - eine grosse, mentale Anstrengung. Doch das Wichtigste: nie aufgeben!

Text: Agatha Naso und Felicitas Maeder




Bilder