Projekt "Lebende Fossilien"

Erforschung "lebender Fossilien" in Südchina

Forschungsgruppen
Dr. Burkart Engesser (Projektleiter, Naturhistorisches Museum Basel)
Dr. Jiang Xuelong (Zoologisches Institut Kunming, China)
Prof. Qiu Zhuding, (Institute for Vertebrate Palaeontology and Paleanthropology, Beijing, China)


Früher beschränkte sich die Paläontologische Forschung vielfach auf die Benennung und Beschreibung neuer Tierarten und auf die Abklärung stammesgeschichtlicher Beziehungen. In jüngerer Zeit sind die Fragestellungen komplexer geworden. Man interessiert sich heute auch dafür, wie die ausgestorbenen Tiere wohl ausgesehen haben, wie sie gelebt haben, welche Ansprüche an Ihre Umwelt sie gehabt haben, wie Pflanzenwelt und Klima in früheren Zeiten war usw. Das Ziel ist, ein möglichst vollständiges Bild der damaligen Tiere und ihrer Umwelt zu bekommen.

Diese Fragen lassen sich natürlich allein mit den Knochen und Zähnen, die wir im Boden finden, schwer beantworten. Deshalb geht man von der Annahme aus, dass heute lebende Verwandte der ausgestorbenen Tiere wohl ähnlich leben wie ihre Vorfahren. Solche aktuo-paläontologischen Rückschlüsse sind natürlich mit erheblicher Unsicherheit behaftet.

Im Miozän, im Zeitraum von 21 - 5 Millionen Jahren vor heute, lebten in Europa eine ganze Reihe von Säugetieren, meist sehr kleine Formen, von welchen wir fast nur die Zähne kennen. Nun ist aber bekannt, dass im Grenzgebiet von Südchina, Burma, Laos und Vietnam heute noch Tiere leben, die sehr ähnliche Zähne besitzen und infolgedessen nahe verwandt sind. Konsultiert man die Fachliteratur, muss man feststellen, dass man über die meisten dieser Tiere fast nichts weiss. Von der Mehrzahl ist über die Lebensweise sozusagen nichts bekannt; oft weiss man nicht einmal wie sie aussehen. Von manchen dieser Kleinsäuger existieren zwar Stiche aus dem 19. Jahrhundert, aber die Darstellungen sind zum Teil falsch.


Foto: Feldarbeit in China
Insektenfresser, mit Lebendfallen werden Insekterfresser zur Untersuchung gefangen, Foto © Daniel Oppliger



Diese Wissenslücke hat uns veranlasst, ein Forschungsprojekt auf die Beine zu stellen, um mehr über die Tiere in Erfahrung zu bringen. Bei den Tieren, die uns interessieren, handelt es sich vor allem um Insektenfresser (Maulwürfe, Igel, Spitzmäuse) und Nagetiere (Hamsterverwandte, Flughörnchen). Ziel dieses Projektes ist es, herauszufinden, in was für einer Umgebung diese Tiere leben, ob sie auf Bäumen, am oder im Wasser oder unterirdisch leben, was sie fressen und was für Feinde sie haben. Mit diesen Informationen hoffen wir, die fossilen Verwandten dieser Tiere aus Europa besser verstehen und interpretieren zu können.

Erkundigungen bei chinesischen Zoologen ergaben, dass diese Kollegen die Tiere kennen und dass sie auch wissen, wo sie zu finden sind. Überraschenderweise leben fast alle Arten, die uns interessieren, im selben Gebiet, nämlich in Bergwäldern auf Höhen zwischen 2000 und 3000 m in der Provinz Yünnan im Südwesten Chinas. Zusammen mit Kollegen vom Zoologischen Institut in Kunming (Yünnan) konnten wir 2002 und 2003 diese Bergwälder besuchen. Es ist keineswegs einfach, diese Tierchen zu Gesicht zu bekommen, da sie sehr scheu und meist nachtaktiv sind. Die einzige Möglichkeit ist deshalb, sie mit Fallen zu fangen. Im Gegensatz zu unseren chinesischen Kollegen haben wir nur Kastenfallen verwendet, in welchen die Tiere lebend gefangen werden können. Wider Erwarten waren wir auf Anhieb sehr erfolgreich : Von den acht Kleinsäugergattungen auf unserer "Wunschliste" gelang es, deren fünf zu fangen. Einen winzigen Haarigel von Mausgrösse und eine Spitzmaus  haben wir über Wochen in einem Käfig halten und beobachten können.

Für Herbst 2006 in eine weitere Reise in diese Wälder geplant.



Kontakt
Naturhistorisches Museum Basel
Dr. Burkart Engesser
Ehrenamtlicher Mitarbeiter Geowissenschaften
Augustinergasse 2
CH 4001 Basel

Tel +41 61 266 55 47
Fax +41 61 266 55 46
E-Mail burkart.engesser@bs.ch